HCM oder auch HKM

Am 30.5.2000 hielt Dr. Kittleson in der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Utrecht eine Vorlesung über HCM bei Katzen. Die Vorlesung war von der niederländischen "Stichting Felissana" eigens für Katzenzüchter organisiert worden.

Die hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) ist bei Katzen seit 8-9 Jahren bekannt. Die Maine Coon soll nicht als besonders betroffene Rasse herausgestellt werden, denn es sind auch andere Rassen betroffen. Wesentliche Krankheitszeichen sind eine Verdickung der Wand der linken Herzkammer (Ventrikel), die sowohl global als auch regional sein kann (das ist zwischen Rassen und auch zwischen einzelnen Katzen einer Rasse verschieden), eine Verdickung der Papillarmuskeln, eine systolische Vorwärtsbewegung der Mitralklappe (systolic anterior movement; SAM), schließlich eine Vergrößerung der linken Herzkammer und letztendlich Herzschwäche und Herzversagen. Bei der echokardiographischen Untersuchung werden die Messungen diastolisch, also bei erschlafftem Herz durchgeführt.
Das SAM führt übrigens zu einem abnormen Blutrückfluss durch die Mitralklappe während der Austreibungsphase bzw. Kontraktionsphase und ist Ursache des Herzgeräusches.

Klinische Anzeichen treten erst auf, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist.

Der Tod durch HCM kann durch drei Mechanismen erfolgen:
plötzlicher Herztod, z. B. durch Rhythmusstörungen, Kammerflimmern
Herzversagen (Symptome sind Herzrasen, beschleunigte Atmung, Kurzatmigkeit, Lungenödem und Pleuraerguss)
Thrombenbildung, einerseits im linken Vorhof durch abnorme Blutflüsse und den Rückstau des Blutes mit Erweiterung des Vorhofs und verlangsamtem Blutfluss, andererseits in der Kammer bei hochgradiger Erweiterung und Herzschwäche. Die Thromben im Vorhof können abgelöst und in den arteriellen Kreislauf verschleppt werden (so kommt der sog. Sattelthrombus an der Aufzweigung der Becken- und Beinarterien mit Lähmung der Hinterbeine zustande).HCM bei Menschen:

Bei Menschen zeichnet sich die HCM echokardiographisch vor allem durch eine erhöhte Dicke der Wand der linken Kammer und insbesondere eine meist asymmetrische Verdickung des Kammerseptums (Scheidewand zwischen den Herzkammern) aus; auch hier kommt es zu einer SAM, also einem Klappenfehler und einem Herzgeräusch. Im Mikroskop sieht man eine unregelmäßige, unordentliche Anordnung der Muskelfasern, eine Narbenbildung und eine Atherosklerose (Gefäßerkrankung) der kleinen Herzkranzarteriengäste. Das ist eigentlich der Beweis für das Vorliegen einer erblichen Form.

Frau Christine Seidmann beschrieb 1952 zuerst eine Form von erblicher HCM bei Menschen, indem sie Untersuchungen an Familienmitgliedern eines erkrankten jungen Mannes durchführte. Seither sind in verschiedenen Familien insgesamt 125 verschiedene Mutationen mit Mutationen an allen 9 verschiedenen Genen gefunden worden, die mit der Herzmuskelbildung zu tun haben (Sarkomergene). Es können Veränderungen auftreten an neun verschiedenen Muskelproteinen (der beta-Myosin Kette, am Troponin T, an Alpha-Tropomyosin, an essentiellen und regulatorischen Leichtketten, am myosinbindenden Protein C, an Actin und einem weiteren Muskelprotein).

Alle Mutationen an den Genen, die die Produktion dieser Muskelproteine steuern, und die zu HCM führen (die Mutation) sind dominant. Wie konnte man jetzt belegen, dass durch die entsprechende Mutation auch die Krankheit verursacht wird ?
Menschen mit HCM haben z.B. Mutationen am Gen für beta-Myosin. Wenn man dieses mutierte Gen nun Mäusen implantiert, bekommen sie HCM. Wenn diese sich weitervermehren, haben die Nachkommen eine Chance von 50 zu 50, das Gen zu erben bzw. an HCM zu erkranken.

Die Genmutation resultiert in der Bildung von abnormen Herzmuskelfasern (nämlich genau zur Hälfte entsprechend dem erkrankten Gen), die sich nicht richtig zusammenziehen. Diese Fehlfunktion führt dazu, dass sich die gesunden Herzmuskelfasern mehr anstrengen müssen, damit sich der Herzmuskel zusammenziehen kann. Darauf reagiert das Herzmuskelgewebe, indem sich die Herzmuskelzellen vergrößern und vermehrt versuchen, sich zu teilen. Dummerweise teilen sich dabei auch die 50% kranken Muskelfasern, die sozusagen dem Anteil des kranken Gens entsprechen, auch, so dass der Herzmuskel noch größer wird und noch mehr unnütze, nicht funktionierende Muskelfasern enthält. Das ist auch der Grund, warum reinerbig erkrankte Individuen sofort sterben - sie produzieren schließlich nur falsche Muskelfasern.

Wie fing es mit der Erforschung von HCM bei Katzen an?

Eine Dame in Conneticut namens Marcia hatte eine Maine Coon, die an HCM erkrankte. Sie informierte sich über die Krankheit und fand heraus, dass sie bei Menschen erblich ist. Also fragte sie bei der Züchterin nach, aber der war nichts in ihrem Zwinger aufgefallen. Sie ließ aber nicht locker, ging auf Ausstellungen, sprach Leute an, die Geschwister oder Verwandte ihrer Katze hatten und hatte bald 5 verwandte Katzen, die an HCM erkrankt waren, gefunden. Dann ging sie auf Dr. Kittleson zu und fragte ihn, ob er nicht Interesse hätte, dies genauer zu erforschen. Der rückte mit Crew und Echogerät bei der Züchterin in Conneticut an und untersuchte an einem Wochenende sämtliche Zuchtkatzen. Dabei stellte sich heraus, dass von 35 Katzen 7 befallen waren.

Das weckte sein Interesse, und er beschloss, sein eigenes Zucht- und Forschungsprogramm auf die Beine zu stellen.

Ein befallener Kater wurde mit drei befallenen Kätzinnen verpaart, die Kitten wurden behalten, um eine Zuchtkolonie zu gründen. Im Labor hat das aber nicht so richtig geklappt, der Kater war bereits herzinsuffizient und wollte nicht decken, obwohl die Katzen rollig waren. Frau Kittleson meinte, das wäre ja auch kein Wunder, bei den Bedingungen! Menschen wollten es ja auch ein wenig romantischer haben, mit Kerzenschein und so...
Also nahm Dr. Kittleson die Katzen zu sich nach Hause, die Vermehrung klappte und am Schluss waren es wohl 19 Stück. Wohl auch durch den hohen Inzuchtgrad kam es auch zu anderen Missbildungen. Ein Kater war darunter, der keine HCM, aber eine Missbildung namens Genu recurvatum hatte, also Knie und Ellenbogen nicht beugen konnte, den hat er wohl behalten. Die gesunden Kitten wurden meistens weitervermittelt, die erkrankten für das Forschungsprojekt behalten.Die Zuchtversuche ergaben eindeutig ein autosomal dominantes Vererbungsmuster.


Bei der Verpaarung von befallenen mit unbefallenen Katzen ergaben sich
keine Krankheitsanzeichen bevor die Katze ein Jahr alt war
trat die Krankheit gewöhnlich in Erscheinung, bevor die Katze zwei Jahre alt war
war die HCM gewöhnlich schwer bzw. fortgeschritten vor dem zweiten bis vierten Lebensjahr.Bei der Verpaarung von befallenen mit befallenen Katzen war es noch schlimmer:
Die Krankheit manifestierte sich teilweise schon im Alter von 3 Monaten,
schritt zwischen 6 und 18 Monaten zu einer schweren Erkrankung fort,
sowohl Kater als auch Katzen entwickelten insgesamt früher eine schwere Erkrankung.Insgesamt erkrankten etwas mehr Kater als Katzen. Die Katzen starben entweder am plötzlichen Herztod oder an Herzversagen. Tod durch Thromben oder deren Verschleppung wurde bei diesen Katzen nicht gesehen. Bei der Untersuchung der Herzen zeigte sich bei allen Katzen die Unordnung der Herzmuskelfasern und die Artherosklerose der kleinen Koronararterienäste in der Wand, die als Zeichen einer erblichen HCM angesehen werden.

Das vorherrschende echokardiographische Zeichen war die Verdickung der Papillarmuskeln (Anmerkung: das sind zwei kegelförmige Muskeln, die in die Herzkammer hineinragen, und an denen die Sehnenfäden der Mitralklappe ansetzen, man kann sich diese Sehnenfäden etwa wie Abspannleinen bei einem Zeltdach oder wie die Seile beim Fallschirm vorstellen). Durch diese Verdickung wird die Klappe während der Saytole (Anspannungs- bzw. Austreibungsphase) nach innen gezogen und schließt nicht richtig. Es kommt zu einem Rückfluss von Blut in den Vorhof, den man dopplerechokardiographisch messen kann ("Farbdoppler"). Außerdem entsteht so das Herzgeräusch. Der Rückfluss und das Herzgeräusch sind abhängig von der Herzfrequenz, also wie schnell das Herz klopft, der Fluss wird stärker und das Geräusch höher, wenn die Katze aufgeregt ist und langsamer bzw. niedriger, wenn die Katze ruhig ist und das Herz langsamer schlägt.

Die anderen Teile der Kammerwand waren eher weniger und wenn, dann unregelmäßig verdickt (Grenzwert laut Dr. Kittleson: 5 mm). Insgesamt hielt Dr. Kittleson die Papillarmuskelverdickung und die Klappenveränderung (SAM mit Rückfluss) für entscheidende echokardiographische Kriterien. Die Verdickung der Restwand sei manchmal, vor allem in frühen Fällen, gar nicht so auffällig. Leider konnte er für die Papillarmuskelverdickung keine Grenzwerte nennen, das sei wohl Erfahrungssache.

Zu den Fragen:

Auf die Frage, was man denn als Züchter machen solle, wenn man vor allem junge Tiere testen lassen will, die am Ende nur ganz geringe Veränderungen haben, gab er zu dass dies ein Problem sei. Deshalb wird an der Entwicklung eines Gentests gearbeitet, denn wenn man das erkrankte Gen gefunden hat bzw. nachweisen kann, kann man in jedem Alter feststellen, ob die Katze HCM vererbt. Bislang werden alle Genorte bzw. Chromosomen, von denen man weiß, dass auf ihnen Mutationen für menschliche HCM liegen, untersucht, aber bisher ist man noch nicht fündig geworden.

Gibt es HCM bei anderen Rassen ?

JA!
Dr. Kittleson hat seine Forschungen inzwischen auf American Shorthair ausgeweitet. Er vermutet, dass es HCM auch bei anderen Rassen gibt. Mit denen arbeitet er aber nicht, kann also nichts genaues sagen. Interessant ist, dass die Krankheit bei der Maine Coon in der Regel einen bösartigeren Verlauf nimmt, sich in jüngerem Alter manifestiert. Bei den American Shorthair kann es Jahre dauern, bis die Krankheit manifest wird.


Als Grund für die unterschiedliche Ausprägung der Krankheitssymptome innerhalb einer Rasse wird die Einwirkung von modifizierten Polygenen angenommen. Dr. Kittleson geht davon aus, dass es sich innerhalb einer Rasse immer um dieselbe Mutation handelt, wie bei Menschen innerhalb einer Familie.

Eine niederländische Züchterin berichtet von einem Zuchtpaar, inzwischen sechs oder sieben Jahre alt, die selbst keine klinischen oder echokardiographischen Krankheitszeichen haben, aber wohl Würfe mit erkrankten Kitten hatten. Das konnte er nur mit unvollständiger Penetranz des Gens erklären oder damit, dass die Eltern eben nicht genau genug untersucht worden seien. Das sei nochmals ein Grund, endlich den Gentest zu finden, damit eben auch solche Tiere erfasst werden könnten. Eine Neumutation sei eher unwahrscheinlich.

Bei der Gelegenheit wurde noch erwähnt, dass ein EKG wohl die Vergrößerung und Erweiterung des Herzens in der Endphase, aber keine frühen Veränderungen oder Papillarmuskelvergrößerung anzeigen könnte und deshalb zu ungenau ist.

Kriterien für die postmortale Diagnose von HCM sind vor allem das Herzmuskelgewicht. Die Wanddicke ist nicht so geeignet, da sich der Herzmuskel im Tod zusammenzieht. Normale Katzenherzen wiegen weniger als 20g. Ab 30g bis 40g ist von einer schweren HCM auszugehen (dazwischen liegt wieder einmal eine Grauzone).

Wie soll eine Katze behandelt werden, wenn HCM diagnostiziert worden ist?

Taurin nützt nichts. Taurinmangel ruft eine ernährungsbedingte dilatative Kardiomyopathie hervor (war früher häufig, bis der Zusammenhang entdeckt und das Katzenfutter entsprechend ergänzt wurde). Eine symptomatische Behandlung ist in der Frühphase mit ß-Blockern und Diuretika möglich, damit das Herz entlastet wird. Man hofft, dass damit auch die Vergrößerungstendenz der gesunden Herzmuskelzellen und damit das fatale Herzwachstum verlangsamt werden. Bei manifester Herzinsuffizienz gibt man ACE (Angiotensin converting enzyme)-Hemmer.

Wann soll man testen?

Dr. Kittleson empfiehlt, Kater mit zwei Jahren und Katzen mit drei Jahren zu testen. In diesem Alter hätte sich die Erkrankung in der Regel manifestiert bzw. man fände im Echo entsprechende Veränderungen. Es würde eigentlich keinen Sinn machen, früher zu testen (Anmerkung: dies ist ein Zitat!). Wenn die Katzen in diesem Alter frei wären, hätte man eine gute Chance (80%-90%), dass sie kein HCM bekommen, ganz sicher könne man natürlich nie sein. Verläufe mit spätem Auftreten der Symptome wären bei Maine Coon sehr selten. Diese Form der HCM wird nicht durch Ernährung oder Infektionen hervorgerufen, sondern ist eben erblich.

PKD - Polycystic Kidney Disease

PKD ist kein neuer Virus, der eben mal diagnostiziert und behandelt werden kann. PKD ist eine vererbbare Nierenerkrankung, durch die eine oder beide Nieren von Zysten befallen werden, die letztlich zum Tod der Katze durch Nierenversagen führen.

Geschichte

Es gibt vereinzelte Berichte über PKD seit 1967, aber ernsthaft geforscht wird erst seit 1990 an der Ohio State University (USA), wo bei einem sechs Jahre alter Perser PKD diagnostiziert wurde.

Anzeichen

PKD zeigt sich in der Regel erst bei der älteren Katze, wenn im Alter von etwa drei bis zehn Jahren die Nieren größer werden, die Zysten fühlbar werden und die Nieren beginnen ihre Funktion einzustellen. Die Katze leidet dann unter Appetitlosigkeit, großem Durst, starkem Harndrang, Depression und Gewichtsverlust. Es ist sehr unterschiedlich, wann und wie schnell die Symptome auftreten. Wenn dies spät genug im Leben eintritt, kann die Katze auch aus anderen Gründen als Nierenversagen sterben.

Klinisches Erscheinungsbild

Die Zysten an den Nieren bestehen von Geburt an und können bei Kitten lediglich einen Millimeter groß sein. Wenn die Katzen älter werden, wachsen die Zysten und vermehren sich. Möglicherweise ist die Funktion der Nieren schon frühzeitig eingeschränkt, sie werden immer größer mit immer größeren Zysten. Das Versagen der Nieren ist unvermeidlich. Es wurden auch schon Zysten in anderen Organen wie der Leber gefunden, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.


Diagnose


Der einzige Weg die PKD sicher zu diagnostizieren ist zur Zeit bei der lebenden Katze die Untersuchung mit hochauflösenden Ultraschallgeräten. (Eine Liste mit den zertifizierten Untersuchungsstellen für die Untersuchung auf PKD bei Katzen finden Sie beim Bundesverband Praktischer Tierärzte e.V.). Mit dieser Untersuchung kann ein erfahrener Tierarzt PKD schon im Alter von acht Wochen feststellen. Die Untersuchung sollte im Alter von mindestens 10 Monaten durch geführt werden, da in dem Alter die Zysten bereits größer und daher besser zu erkennen sind. Sollte das Ergebnis positiv sein, sollte die Untersuchung noch ein oder zweimal wiederholt werden, da Irrtümer natürlich nicht ausgeschlossen werden können. Dies ist nur erforderlich, wenn die Katze zur Zucht verwendet werden sollte. Die Forschung ist bemüht, Bluttests zu entwickeln, mit denen PKD nachgewiesen werden kann; noch gibt es derartige Tests jedoch nicht.

Ist PKD ansteckend?

PKD ist nicht ansteckend, wird aber von einem oder beiden Eltern vererbt. Untersuchungen zeigen, daß PKD dominant vererbt wird, d.h. PKD wird immer auftreten, wenn ein Elternteil oder beide es vererben.

Behandlung

Es gibt keine spezielle Behandlung gegen PKD. Die Forschung ist noch immer bemüht, die Gründe für das Auftreten von PKD zu ermitteln. Die Tiere werden so behandelt, wie es bei chronischen Nierenerkrankungen erforderlich ist, d.h. es werden die Symptome nicht aber die eigentliche Krankheit behandelt. Die Katze sollte ein Nieren-Diätfutter mit reduziertem Phosphoranteil erhalten und viel trinken.

Was kann der Züchter tun?


Alle Katzen, mit denen gezüchtet werden soll, sind auf PKD zu untersuchen. Positiv getestete Katzen sind von der Zucht auszuschließen. So könnte es gelingen, PKD über kurz oder lang auszumerzen.

Was kann der Käufer tun?

Der Käufer einer Rassekatze sollte sich vom Züchter nachweisen lassen, daß die Elterntiere PKD-frei sind. Sollte ein solcher Nachweis nicht vorliegen, sollte um die Untersuchung der Eltern gebeten werden oder der Käufer läßt sein Tier im Alter von etwa zehn Monaten testen, um Gewißheit zu haben und von vornherein die richtigen Maßnahmen zu treffen (Kastration, richtiges Futter, regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion durch den Tierarzt).
Ist Ihr Tier positiv getestet, besteht kein Grund, in Panik zu geraten. Auch mit PKD kann eine Katze ein gutes und langes Leben führen.